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Pädagogisches Austauschprogramm zwischen Hamburg und Israel

Mit dem Beginn des Jahres 2013 hat die Pedia gemeinnützige Bildung gemeinsam mit dem Kinderheim Neve Hanna in Israel ein Austauschprogramm gestartet. Ziel ist es, den Pädagogen aus Israel und Deutschland zu ermöglichen Erfahrungen im jeweils anderen Land zu sammeln, die Arbeit in den verschiedenen Einrichtungen kennen zu lernen und selber die Erfahrung des Gefühls von Fremdheit zu machen.

In vielen Kindertageseinrichtungen gibt es Kinder mit Migrationshintergrund und sprachlichen Problemen bei der Integration in den deutschen Kindergartenalltag. Die Pedia gemeinnützige Bildung möchte ihren Erziehern ermöglichen, eigene Grenzerfahrungen zu machen und das Gefühl von Fremdheit zu erleben und auch die Erfahrung, mit der eigenen deutschen Sprache nicht überall verstanden zu werden, direkt zu erleben.

Der Geschäftsführer der Pedia gGmbH, Stefan Hensel, sagt dazu: „Wir können natürlich den Menschen theoretisch erklären, wie sie mit einem Fahrrad fahren sollen und sehr viel Zeit darauf verwenden. Wir glauben aber an die direkte Erfahrung von Menschen. Oder anders gesagt, Menschen auf ein Fahrrad zu setzen und ihnen dabei zu helfen fahren zu lernen ist vielleicht sinnvoller als theoretisch zu erklären, wie es geht. Wer selber das Gefühl hatte einmal wirklich fremd gewesen zu sein, der wird in Zukunft anders mit Fremdheit umgehen.“

Mit diesem Projekt legt die Pedia gGmbH einen Grundstein für eine langfristige freundschaftliche Zusammenarbeit von Pädagogen in beiden Ländern und einen interkulturellen Austausch.

Wir freuen uns, von nun an regelmäßig diesen Austausch durchzuführen und danken der Initiative für Bildung und Erziehung e.V. für die finanzielle Unterstützung.

Lesen Sie selbst die Berichte unserer Teilnehmer:

Erfahrungsberichte

Lara Fesl, GBS-Röthmoorweg, Hamburg:

Shalom,

das bedeutet „Hallo“ und „Frieden“. In einem Land wie Israel ist das eine wirklich schöne Geste, wenn die Menschen sich mit Frieden begrüßen.

Total unerwartet bekam ich den Anruf aus dem Geschäftsleitungsbüro der PEDIA, dass ich für den pädagogischen Austausch nach Israel ausgesucht wurde. Bis heute bin ich sprachlos und sehr dankbar für diese einmalige Gelegenheit. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Deutsch-Jüdischen Kindergartens in Hamburg verbrachte ich im Mai eine Woche in Israel.

Durch den Kontakt zu „Neve Hanna“, einem Kinderheim in Kirjat Gat, erhielten wir einen Einblick in ganz besondere Seiten und Ecken von Israel. Bereits am ersten Abend wurden uns die, im Kinderheim bunt bemalten, Bunker gezeigt und erklärt, dass wir 40 Sekunden Zeit hätten, wenn der Alarm losgeht. Diese Bunker schützen die Menschen vor Ort vor dem Beschuss durch Terroristen von palästinensischer Seite. Für die Israelis ist diese Gefahrensituation Alltag, weshalb uns bald klar wurde, dass die Menschen unter diesen Umständen jeden Tag ihres Lebens in vollen Zügen leben und genießen.

„Neve Hanna“ ist ein sehr besonderer Ort, erklärte uns ein bei „Neve Hanna“ arbeitender Psychologe am zweiten Tag und er sollte Recht behalten. Kinder, die aus den ärmsten Verhältnissen kommen und die bisher unter erschwerten sozialen Bedingungen gelebt haben, befinden sich dort in liebevollen Händen. Sie leben in sechs Häusern mit jeweils zwei Mitarbeitern. Wir besuchten die Gruppen „Nitzanim“ und „Avivim“.

Für uns wurde ein eigenes Besucherprogramm entwickelt. Während unserer unzähligen Ausflüge kamen wir ins Gespräch mit den unterschiedlichsten Menschen. Wir waren in der arabischen Planstadt Rahat, in Tel Aviv-Jaffa, in Jerusalem, am Toten Meer und am Mittelmeer. Darüber hinaus besuchten wir einen Kindergarten und eine Grundschule in Kirjat Gat. Die Tour mit einem Geländewagen mitten durch Israel und das Feiern des Shabbats gemeinsam mit den Kindern gehörten zu meinen persönlichen Highlights.

Die Woche war sehr erlebnisreich und spannend, aber auch lustig und angenehm zugleich. Ich erhielt unzählige Eindrücke in „Neve Hanna“, die schwer zu beschreiben sind. Es ist eben ein ganz besonderer kleiner Fleck Erde in einem so unglaublichen und facettenreichen Land. Ich kann jedem ans Herz legen, diese Reise auf sich zu nehmen und Israel zu erleben. Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Menschen haben mich tief beeindruckt.

Hamburg, Juni 2017

Tanja Marelja, Deutsch-Chinesischer Kindergarten, Hamburg:

Mein pädagogischer Austausch, mit dem Kinderheim Neve Hanna in Israel, hat mich sowohl beruflich, als auch persönlich sehr beeindruckt.

Ich konnte einen sehr guten Einblick in die vielfältigen Arbeitsweisen und Therapien für die Kinder gewinnen. Auch die Schwerpunkte und Ziele der verschiedenen Projekte, sowie der Elternarbeit sind sehr beeindruckend. Besonders das hohe Engagement und die Einsatzbereitschaft aller Mitarbeiter zum Wohl der Kinder sind außergewöhnlich.

Der pädagogische Austausch hat mich in meiner weiteren Arbeit im Deutsch-Chinesischen Kindergarten beeinflusst. Es wurde mir noch stärker bewusst, wie wichtig eine gute und stabile Bindung zwischen Kindern und Erziehern ist. Sie ist der Grundstein für eine stabile und erfolgreiche Entwicklung der Kinder.

Die Kinder und die Kollegen in Neve Hanna haben mir durch ihre herzliche und offene Art einen spannenden Aufenthalt ermöglicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Hamburg, Juni 2015

Itzik Bohadana, Kinderheim Neve Hanna, Israel:

Shalom,

zunächst möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Itzik Bohadana. Ich bin der Koordinator des Tageshortprogramms im Kinderheim Neve Hanna in Kiryat Gat, Israel. Meine Arbeit im Kinderheim habe ich vor neun Jahren angetreten und war im Verlauf dieser Jahre für verschiedene Bereiche zuständig, so u.a. für verschiedene Lernprogramme, die wir unseren Kindern und Jugendlichen anbieten, und für ein Wohlfahrtsprogramm, das wir mit unseren Jugendlichen zu Gunsten von bedürftigen Familien in Kiryat Gat durchführen.

Im Rahmen eines Pädagogenaustausches, den Pedia zusammen mit Neve Hanna aufgebaut hat, durfte ich im Oktober 2013 eine Woche in Hamburg verbringen, um mehr über die Arbeit von Kollegen in den verschiedenen Pedia-Einrichtungen zu erfahren. Da es für mich die erste Reise nach Deutschland – und überhaupt nach Europa – war, habe ich zudem viele andere interessante Sachen entdeckt und erfahren.

Im Verlauf meines Aufenthaltes in Hamburg habe ich den Deutsch-Chinesischen wie auch den Deutsch-Russischen Kindergarten von Pedia näher kennen gelernt und auch die Kita, den Bildungskindergarten und die Ganztagsschule besucht. Für mich war es ganz grundlegend interessant, diese Einrichtung besichtigen zu dürfen, doch besonders beeindruckt hat mich, mit den Menschen begegnen, mit den Kindern wie auch den Mitarbeitern. Da ich mit Kindern und Jugendlichen arbeite, war dieses Zusammentreffen mit Kindern aus anderen Kulturkreisen für mich eine weitere Horizonterweiterung. Ich habe viele neue Einblicke gewonnen, vor allem auch, was die Organisation und den Tagesablauf, insbesondere jedoch das pädagogische Rational von Pedia angeht. In Neve Hanna legen wir viel Wert auf einen liebevollen Umgang und eine warmherzige Atmosphäre, auf Respekt, Toleranz und auch auf Geduld. Und genau das entdeckte ich auch in allen Pedia-Einrichtungen.

Ich war beeindruckt von der Professionalität der Mitarbeiterteams, die mit viel Warmherzigkeit für die Kinder eine Atmosphäre der Liebe und Aufgeschlossenheit schaffen, so dass ihnen ein großer Freiraum zur individuellen Entwicklung gewährt wird. Zugleich habe ich sehen können, dass jeder Mitarbeiter eine Vorbildrolle erfüllt, die er bzw. sie in jeder Hinsicht sehr ernst nimmt und die den Kindern die Möglichkeit schenkt, sich in Orientierung an diesem Modell dennoch frei, kreativ und individuell zu entfalten, so dass für sie der Besuch der Pedia-Einrichtungen sowohl zu einem Erlebnis als auch einer positiven Erfahrung wird, die sich ihr Leben lang begleitet. Die Vision, dass das individuelle Kind im Mittelpunkt der Arbeit steht, kenne ich von meiner Arbeit in Neve Hanna, doch für mich war es eine bedeutsame Erfahrung, diesen Ansatz in einem anderen Kulturkreis wiederzufinden, der für mich zur Entdeckungsreise wurde. Der pädagogische Ansatz und die Vision, die die Pedia-Einrichtungen praktizieren, repräsentieren einen nachhaltigen Beitrag zu einer aufgeschlossenen Gemeinschaft, und ich kann nur wünschen, dass genau dieses Modell weiterhin Schule macht, zum Wohl des Individuums als auch der Gesellschaft.

Meine detaillierten Eindrücke mit wenigen Zeilen zu schildern, ist kaum möglich. Würde ich näher ins Detail gehen, so würde dies den Rahmen dieser Zeilen bei weitem sprengen. Hinzufügen möchte ich jedoch unbedingt einen riesigen Dank an alle Pedia-Einrichtungen, die mich willkommen hießen, in ihre Mitte aufnahmen und an ihrer Arbeit teilhaben ließen. Mein besonderer Dank gilt namentlich Stefan, Frank und Tanja sowie Sven, die sich nicht nur im professionellen Bereich um einen bedeutsamen Austausch gekümmert, sondern mir zudem einzigartige Tage in Hamburg beschert haben.

In der Hoffnung, dass wir den begonnenen Dialog fortsetzen werden und die Möglichkeit haben, weitere Pädagogen zu einem Besuch in Israel im Kinderheim Neve Hanna begrüßen und von unserem Team Mitarbeiter zu einem Besuch nach Hamburg entsenden zu dürfen, verbleibe ich mit herzlichsten Grüßen und einem erneuten Dank – Toda, Itzik Bohadana

Dezember 2013

www.nevehanna.org

www.nevehanna.de